Mord an Claudia Wilbert

28. März 1979: die 17jährige Claudia bespricht den Tagesablauf mit Ihrer Mutter am Frühstückstisch: nach dem Schulunterricht im St. Joseph-Mädchengymnasium in Rheinbach wollte sie noch zum Sport, dann gemeinsames Pizzaessen mit Freunden und anschließend Diafoto-Abend mit Bildern aus der Klassenfahrt nach Rom in der Schule. Das St.-Joseph-Gymnasium in Rheinbach ist damals noch eine reine Mädchen-Schule. Ihre Mutter warnt vor dem Trampen; ihr älterer Bruder bietet an, Claudia abzuholen. Gemeinsam mit ihren Brüdern lebte Claudia Wilbert bei ihren Eltern in Berg im Kreis Ahrweiler. Rheinbach liegt von Berg knapp 9 Kilometer entfernt.

Gemeinsam mit ihren Brüdern lebte Claudia Wilbert bei ihren Eltern, war gerade von einer Klassenfahrt zurück nach Hause gekommen. Am Tag ihres Mordes fuhr sie mit dem Bus zum Mädchengymnasium in Rheinbach, wo die 17-Jährige zur Schule ging. Am Nachmittag wollte sie noch zum Sport und abends dann mit Freunden Pizza essen. Zudem stand ein Diaabend mit Bildern aus der Klassenfahrt an. Ihr großer Bruder wollte sie anschließend mit dem Auto abholen kommen.

19:30 Uhr: Schülerin Petra B. verlässt die Runde bereits gegen 21:30 Uhr; auf dem Fußweg nach Hause fährt mehrmals derselbe Kleinwagen an ihr vorbei, der jeweils in Seitenstraßen wendet. Der Wagen stoppt schließlich vor ihr und der Fahrer kommt unheimlich auf sie zu. Petra zögert kurz, kann aber schließlich noch zum Elternhaus abbiegen, dass sich zwischen den beiden befindet. Der Unbekannter geht zum Wagen zurück und fährt davon.

gegen 21:45 Uhr verlässt auch Claudia W. den Diafoto-Abend. Sie will dem sie abholendem Bruder schon einmal entgegengehen und macht sich auf den Weg zu einer Kreuzung. Beim Warten hat sie noch einen kurzen Wortwechsel mit drei Schulfreundinnen, die ebenfalls vom Diafoto-Abend kommen. Den Jugendlichen fällt der helle Kleinwagen auf, der in der Straße entgegen der Fahrtrichtung steht. Gegen 22 Uhr fährt Claudias Bruder los, um seine Schwester abzuholen. Derweil sieht ein Hundebesitzer beim Gassigehen Claudia wieder alleine an der Kreuzung stehen; hört kurz darauf ein verdächtiges Geräusch und sieht, wie Claudia neben dem Unbekanntem im Kleinwagen steht. In einem Renault 6 oder einem ähnlichen Auto soll Claudia Wilbert verschwunden sein, nachdem sie einsteigt und beide losfahren. Zunächst unsicher, ob eventuell ein Liebespaar sich getroffen hat, entdeckt dann aber der Hundebesitzer Claudias zurückgelassene Tasche und geht zur Polizei.

Es gibt aber auch folgende Version dieser Situation: Da Claudias Bruder sie erst nach 22 Uhr abholen wollte, musste sie sich noch ein wenig die Beine vertreten. Sie wolle an einer Kreuzung, direkt um die Ecke von der Schule, auf ihn warten, sagte sie einer Freundin. Dort sahen Freundinnen die 17-Jährige, und auch ein Hundebesitzer sah Claudia an der Kreuzung. Der Hundebesitzer soll dann kurz darauf Hilferufe vernommen haben und beobachtete, wie ein Mann eine Person in sein Auto brachte und davonfuhr. Bei der Polizei meldete er seine Beobachtungen und übergab eine Tasche mit dem Personalausweis von Claudia Wilbert. Festzulegen, welche Version stimmt, liegt nicht in meiner Zuständigkeit.

Während der Hundebesitzer bei der Polizei seine Beobachtungen schildert, sucht Claudias Bruder erfolglos vor der Schule und an der Kreuzung nach ihr. Der Hundebesitzer bekommt auf der Wache Vorhaltungen gemacht, nicht eingegriffen zu haben. Die Polizisten finden in der Tasche den Schülerausweis und fahren zu den Eltern nach Berg. Ihr Bruder, der Claudia nicht finden konnte, stößt dazu. Eine große Suchaktion noch am Abend wird gestartet und Streifenwagen fahren die Gegend ab. Am nächsten Tag fahren Lautsprecherwagen in den Straßen. Suchtrupps, Hundestaffel und Hubschrauber suchen nach Claudia.

Einen weiteren Tag später wird Claudias Leiche in der Nähe vom Wanderparkplatz "Wolkenbruch" von einem Autofahrer gefunden. Es ist der 30. März 1979, ein Freitag. Der Parkplatz liegt in der Grenzregion von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz an einer Landstraße zwischen Scheuren und Bad Münstereifel. Sie führt kilometerlang durch tiefe Wälder, nur hier und da gibt es ein paar Gehöfte am Straßenrand.

Die Obduktion ergibt keine Hinweise auf Vergewaltigung oder Kampf aber den Tod durch "stumpfe Gewaltanwendung auf Kopf und Halsbereich", wie Zeitungen damals schrieben. Die Tote ist komplett bekleidet. Man findet scharfe Fesselungsspuren an den Handgelenken von Claudia, eventuell von Draht oder Schnur. Hinweise auf ein Sexualdelikt gibt es nicht.

Die Ermittler gehen von einem Zufallsopfer aus, überprüfen Sexualstraftäter in der Gegend und Besitzer heller Kleinwagen mit Schrägheck, rechteckige Scheinwerfer, waagrechtem Kühlergrill und kleine dreieckige Fenster hinten. Diese Merkmale lassen auf einen Renault R6 vermuten. Möglicherweise handelte es sich aber auch um einen Peugeot 104, einen VW Golf, einen Opel Kadett oder einen anderen Kleinwagen. Das Kennzeichen soll mit den Buchstaben E und U für den Kreis Euskirchen angefangen haben. Gegen keinen Fahrzeughalter lässt sich aber ein Tatverdacht erhärten.

44 Jahre später, Bonn im Dezember 2023: die Cold-Case-Einheit der Polizei nimmt sich dem Fall Claudia Wilbert noch einmal vor. Ihre Eltern sind bereits verstorben aber ihre Brüder sind noch am Leben. Der Täter ist jetzt wohl Mitte 60 bis Mitte 70. Ein mehrseitiges anonymes Schreiben geht an die Ermittler, LKA München und Aktenzeichen xy-Redaktion. Ein unbekannter Absender behauptet, den Namen des Täters zu kennen; er solle noch am Leben sein. "Ich möchte Sie bitten, dieses Schreiben und meine Informationen ernst zu nehmen", dies schrieb ein anonymer Verfasser. Der Brief umfasste ganze fünf Seiten. Der anonyme Verfasser behauptete demnach in dem Schreiben, er kenne den Mörder der 17-jährigen Schülerin.

Der Fall wird am 11. September 2024 auch in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY... Ungelöst" thematisiert. Die Ermittler erhoffen sich damit neue Hinweise zum Täter, um wieder Bewegung in den 45 Jahre alten Cold Case zu bringen. Für Hinweise, die zu einer Festnahme des Täters führen, wurde eine Belohnung von 2.000 Euro ausgesetzt. Der Tatverdächtige soll etwa 1,75 Meter groß sein. Zeugen beschrieben den Mann 1979 als 20 bis 30 Jahre alt. Heute könnte er also Mitte 60 bis Mitte 70 sein, vermutet die Polizei. Wie genau Claudia damals starb, will die Polizei nicht preisgeben. Die Ermittler nennen aber noch ein wichtiges Detail. Die Brille der Jugendlichen wurde nie gefunden. Sie hat ein großes, rotbraunes Gestell und in den rechten Brillenbügel sind die Buchstaben O und F eingraviert.

Update vom 12. Oktober 2024, 10.49 Uhr: Seit Jahren versuchen Ermittler den Fall der getöteten Claudia Wilbert zu lösen, nun könnte das Verbrechen möglicherweise tatsächlich vor der Aufklärung stehen. Durch die ZDF-Sendung Aktenzeichen XY wurde der Cold Case einem breiten Publikum vorgestellt. Nicht selten können ungelöste Fälle durch Hinweise der Zuschauer doch noch aufgeklärt werden. Auch in der aktuellen Ausgabe erkundigte sich Moderator Rudi Cerne zum Abschluss der Show nach bereits eingegangenen Hinweisen. Im Fall Claudia Wilbert brachte die TV-Sendung tatsächlich einen sehr eindeutigen Hinweis. Noch während der Sendung meldete sich eine Zuschauerin aus der Region, die angab, dass sie selbst in jungen Jahren Opfer eines Gewaltverbrechens geworden sei und den Täter benennen könne. Gibt es einen Zusammenhang mit dem Mord an Claudia W.? Die Bonner Ermittler gehen dem Hinweis nun nach. Durch die Ausstrahlung bei Aktenzeichen XY kamen wohl über 160 Hinweise zusammen.

Nach Abzug aller weniger brauchbaren Hinweise verfolgen die Ermittler zur Zeit noch etwa zehn Spuren laut der Berichterstattung des WDR beziehungsweise der Lokalzeit Redaktion.

Melden kann sich jeder bei der Cold-Case-Abteilung der Bonner Polizei unter der Telefonnummer 0228 – 15-0 oder der E-Mail-Adresse: KK11.Bonn@polizei.nrw.de.

Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang ein Interview mit Aileen Oeberst mit der WDR-Rekation für die Lokalzeit - Berichterstattung. Frau Oeberst ist Professorin für Sozialpsychologie an der Universität Potsdam gibt Antworten übe die Verlässlichkeit von Erinnerungen. Die Lokalzeit-Redaktion fragt, wie wahrscheinlich es ist, dass sich jemand nach langer Zeit tatsächlich richtig erinnert und die mündlich oder schriftlich wiedergeben kann. Frau Oeberst antwortet dazu wie folgt: "Es klingt auf jeden Fall schon mal so, dass das, was in diesem Brief steht, durchaus mit polizeilichen Erkenntnissen übereinstimmt. Und das spricht ein Stück weit dafür, dass es korrekt ist, was die Person dort wiedergibt - und sich somit wahrscheinlich richtig erinnert. Was eine Person von sich selbst aus erzählt, also nicht auf Nachfrage, ist typischerweise in Bezug auf solche Ereignisse auch sehr häufig sehr korrekt. Erstaunlich korrekt. Auch nach einem sehr langen Zeitraum noch. Weniger Vertrauen hätte ich wahrscheinlich im Bezug auf Details, aber im Hinblick auf das Kerngeschehen hätte ich wahrscheinlich relativ hohes Vertrauen."

Das ganze Interview könnt Ihr Euch gern selbst durchlesen. Den Link findet Ihr in meinen Quellenangaben.

Links, Medien, Quellen 

https://www1.wdr.de/lokalzeit/verbrechen/cold-case-claudia-wilbert-wie-genau-sind-erinnerungen-100.html

Aileen Oeberst ist Professorin für Sozialpsychologie an der Universität Potsdam gibt Antworten übe die Verlässlichkeit von Erinnerungen

https://www.swp.de/unterhaltung/tv/aktenzeichen-xy-neue-spur-im-mordfall-claudia-wilbert-77517382.html

Foto von Claudia - vermutlich 1979, Quelle Polizei Bonn

https://www.rtl.de/news/aktenzeichen-xy-heute-claudia-wilbert-17-stieg-vor-45-jahren-zu-mann-ins-auto-und-verschwand-id1815661.html

Claudia W. (17) stieg zu einem Mann ins Auto und verschwand - Artikel auf RTL.de vom 11.09.2024

Foto Renault 6, Quelle Renault Deutschand/Bundeskriminalamt

https://www.bka.de/DE/IhreSicherheit/Fahndungen/Personen/UnbekanntePersonen/Mord_CW/Sachverhalt.html?nn=26874#belohnung232072

Aufruf BKA

https://www.express.de/nrw/bonn/mordfall-claudia-wilbert-17-das-leid-der-mutter-als-waere-es-gestern-passiert-39463

Mordfall Claudia W. (†17) Das Leid der Mutter: "Als wäre es gestern passiert" - Artikel zu diesem Fall aus dem Jahr 1979 in Rheinbach aus dem Express vom 01.11.2012.

https://www.fahrzeugbilder.de/bild/PKW+Oldtimer~Renault~R+16/52327/renault-r6-tlman-sieht-ihm-die.html

Zitierte Artikel aus der "Rhein-Zeitung" und "Süddeutsche Zeitung" vom 2. April 1979 auf diversen Seiten ohne Linkangabe.

Renault R6 Beispielmodellbilder

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